Wetten auf politische Ereignisse behandeln eine Wahl, ein Referendum oder einen Rücktritt wie eine Quote, mit einem Favoriten niedrig und einem Außenseiter hoch. Auf einem großen internationalen Prognosemarkt lagen zur US-Präsidentschaftswahl 2024 über 3,3 Milliarden US-Dollar allein auf dem Ausgang des Rennens, und viele deuten solche Preise als Prognose, oft mit mehr Vertrauen als in die klassische Umfrage. Wie gut ein solcher Markt den Ausgang wirklich trifft, ist die Frage dahinter.
Welche Wettarten es bei Wetten auf politische Ereignisse gibt
Die häufigste Wette auf ein politisches Ereignis kennt nur zwei Ausgänge. Ein Kandidat gewinnt die Wahl oder nicht, eine Regierung tritt bis zu einem Stichtag zurück oder bleibt im Amt. Auf diese Ja-Nein-Frage tippst du am direktesten, denn es gibt genau ein Ereignis und genau zwei mögliche Ergebnisse. Daneben stehen Wetten mit mehreren Kandidaten, etwa die Siegwette auf den Wahlsieger oder den nächsten Amtsinhaber, die Wette auf die stärkste Partei und die Über/Unter-Wette auf die Zahl der Sitze oder den Stimmenanteil. Bei der Über/Unter-Wette gibt der Anbieter eine Grenze vor, etwa eine bestimmte Sitzzahl, und du tippst, ob das Ergebnis darüber oder darunter landet.
Das Feld reicht über Wahlen hinaus. Im Wettangebot stehen auch Rücktritte, Nachfolgeregelungen und der Ausgang geopolitischer Ereignisse. Wer auf Politik wetten will, findet solche Fragen im Bereich der Spezialwetten mancher Wettanbieter und auf internationalen Prognosemärkten, auf denen ausschließlich auf reale Ereignisse getippt wird.
| Wettart | Worauf du tippst |
|---|---|
| Ja-Nein-Wette | Ob ein einzelnes Ereignis bis zum Stichtag eintritt oder nicht |
| Siegwette | Wer eine Wahl gewinnt oder ein Amt als Nächstes übernimmt |
| Wette auf die stärkste Partei | Welche Partei die meisten Sitze oder Stimmen holt |
| Über/Unter | Ob Sitze oder Stimmenanteil über oder unter einer vorgegebenen Grenze liegen |
So rechnest du bei Wetten auf politische Ereignisse die Quote in eine Wahrscheinlichkeit um
Hinter jeder Quote steckt eine Siegchance, und du holst sie mit einer einfachen Rechnung heraus. Die Dezimalquote ist der Kehrwert dieser Wahrscheinlichkeit, du teilst also 1 durch die Quote. Steht ein Favorit bei 1,25, ergibt 1 geteilt durch 1,25 den Wert 0,80, der Anbieter rechnet dem Kandidaten damit eine Siegchance von 80% zu. Sein Herausforderer bei einer Quote von 4,00 kommt auf 1 geteilt durch 4,00, also 0,25 oder 25%.
Zählst du beide Werte zusammen, kommst du auf 105% statt auf glatte 100%. Dieser Aufschlag von 5 Prozentpunkten ist die Marge des Anbieters, sie ist in die Quoten eingebaut und sorgt dafür, dass die Auszahlungen im Schnitt unter dem Einsatz bleiben. Auf einem internationalen Prognosemarkt ist dieser Zwischenschritt gar nicht nötig, denn dort entspricht der Preis eines Ausgangs direkt seiner Wahrscheinlichkeit. Ein Preis von 80 Cent für einen Anteil steht für eine Chance von 80%.
| Quote | Implizite Wahrscheinlichkeit |
|---|---|
| 1,25 | 80% |
| 4,00 | 25% |
| Summe beider Ausgänge | 105% |
Treffen Prognosemärkte den Wahlausgang besser als Umfragen?
Öfter ja, aber nicht immer. Eine Untersuchung von 964 Umfragen über fünf US-Präsidentschaftswahlen von 1988 bis 2004 hat den Preis eines akademischen Wahlmarkts mit der jeweils zeitgleichen Umfrage verglichen. In 74% der Fälle lag der Marktpreis näher am späteren Ergebnis als die Umfrage. Eine Umfrage ist eine Momentaufnahme von ein paar tausend Befragten, während in einem Wahlmarkt das Geld vieler Tipper laufend fließt und neue Informationen zwischen zwei Umfragen in den Preis einfließen.
Wie genau das im Einzelfall werden kann, zeigt die US-Wahl 2008: Dort traf der Markt das Endergebnis auf unter einen halben Prozentpunkt. Solche Treffer sind bei Wetten auf politische Ereignisse aber kein Automatismus, und in einzelnen Fällen kann der Markt den Ausgang klar verfehlen.
Wenn die Favoritenquote danebenliegt, wie bei Brexit und der US-Wahl 2016
2016 haben sich die Prognosemärkte gleich zweimal deutlich geirrt. Beim Brexit-Referendum favorisierten sie klar den Verbleib in der EU, bei der US-Wahl Hillary Clinton. Beide Ergebnisse traten nicht ein. Eine niedrige Quote und ein hoher Marktpreis standen also für einen Ausgang, der ausblieb, obwohl die implizite Wahrscheinlichkeit den Favoriten weit vorn sah.
Der belegte Grund steckt in der Preisbildung selbst. In beiden Fällen blieb der Preis nah an seinem bisherigen Stand, weil neue Hinweise sich nur langsam niederschlugen. Je mehr Tipper sich am bestehenden Preis orientierten, desto stärker verfestigte er sich, statt die tatsächliche Lage abzubilden. Dazu kommt der Abstand zum Termin. Je weiter ein Ereignis in der Zukunft liegt, desto ungenauer fällt die Prognose aus, und sie wird erst treffsicherer, je näher der Wahltag oder Abstimmungstag rückt. Ein klarer Favorit auf dem Prognosemarkt ist damit keine sichere Sache, am wenigsten bei einer knappen Abstimmung Wochen vor dem Termin.
Wann Wetten auf politische Ereignisse abgerechnet werden
Abgerechnet wird bei Wetten auf politische Ereignisse erst, wenn das amtliche Ergebnis feststeht. Weil eine Wahl einen festen Termin hat und andere Fragen eine gesetzte Frist, bleibt dein Einsatz bis dahin gebunden, bei angesetzten Wahlen oft über Wochen bis Monate.
Als Ja-Nein-Wette schließt die Wette am Ende mit einem der beiden Extremwerte. Tritt das Ereignis ein, steht sie bei 100%, tritt es nicht ein, bei 0%, ein Zwischenergebnis gibt es nicht. Bei einer Frage ohne festen Termin, etwa einem möglichen Rücktritt, entscheidet der vorab festgelegte Stichtag: Ist das Ereignis bis dahin nicht eingetreten, zählt es als nicht eingetreten, auch wenn es zwei Tage später doch passiert.