Wer nach den besten Wettstrategien sucht, sucht im Kern nach einem Weg, den Wettanbieter zu schlagen, der die Quoten macht. Der Reiz liegt darin, dass hinter jeder Quote nur eine Einschätzung des Spiels steckt, und eine Einschätzung kann daneben liegen. Genau daran hängt, ob eine Strategie für Sportwetten überhaupt eine Chance hat.
Was haben die besten Wettstrategien gemeinsam?
Keine Strategie gewinnt, weil sie den Einsatz clever staffelt. Sie gewinnt, wenn hinter jedem einzelnen Tipp eine Quote steht, die zu hoch ist für das, was wirklich passieren wird. Jeder Wettanbieter rechnet eine Marge in die Quote ein, und die zahlst du bei jeder Wette mit, egal nach welchem Plan du setzt.
Rechne eine Quote in ihre Wahrscheinlichkeit zurück, dann wird die Marge sichtbar. Die aus einer Quote abgeleitete Wahrscheinlichkeit ist ihr Kehrwert, also 1 geteilt durch die Dezimalquote. Diese Zahl ist zugleich deine Gewinnschwelle, der Anteil der Fälle, in denen dein Tipp aufgehen muss, damit du bei dieser Quote weder gewinnst noch verlierst. Zählst du die abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge eines Spiels zusammen, landest du nie bei genau 100 Prozent, sondern darüber.
| Ausgang | Quote | Wahrscheinlichkeit aus der Quote |
|---|---|---|
| Heimsieg | 2,00 | 50,00% |
| Unentschieden | 3,50 | 28,57% |
| Auswärtssieg | 4,00 | 25,00% |
| Summe | 103,57% |
Die 3,57 Prozent über der vollen Wahrscheinlichkeit sind der Aufschlag, den der Anbieter für sich behält. Daraus folgt der Maßstab, an dem sich die besten Wettstrategien messen lassen: Sie müssen Wetten finden, deren echte Gewinnchance höher liegt als die, die in der Quote steckt. Nur dann ist der Erwartungswert positiv, und nur an ihm entscheiden sich Gewinn und Verlust auf lange Sicht.
Machen Einsatzsysteme wie Martingale oder Paroli eine Wette verlustfrei?
Nein, und der Grund bleibt bei jedem System derselbe. Ein Einsatzsystem legt nur fest, wie viel du nach einem Verlust oder einem Gewinn als Nächstes setzt. An der Quote ändert es nichts und an der eingerechneten Marge ebenso wenig. In der negativen Progression erhöhst du den Einsatz nach einem Verlust, in der positiven legst du nach einem Gewinn drauf.
| System | Progression | Einsatzregel |
|---|---|---|
| Martingale | negativ | Einsatz nach jedem Verlust verdoppeln |
| D’Alembert | negativ | nach Verlust eine Einheit hoch, nach Gewinn eine runter |
| Fibonacci | negativ | Einsätze entlang der Fibonacci-Folge staffeln |
| Labouchère | negativ | Einsatz gleich Summe der ersten und letzten Zahl einer Liste |
| Anti-Martingale (Paroli) | positiv | Einsatz nach jedem Gewinn erhöhen |
| Oscar’s Grind | positiv | nach Gewinn erhöhen, Ziel ist ein Plus von einer Einheit je Serie |
Solange die Gewinnwahrscheinlichkeit jeder einzelnen Wette konstant bleibt, führen sämtliche Einsatzsysteme zum selben Erwartungswert je Einsatz. Was sich ändert, ist allein die Schwankung unterwegs: Die negative Progression bringt dir viele kleine Gewinne und dafür seltene, dann umso größere Verluste, die positive dreht dieses Verhältnis um.
Und der Erwartungswert bleibt negativ, sobald die Marge im Spiel ist. Genau hier zerbricht die Idee der verlustfreien Wette. Kein Verdoppeln nach dem Verlust und kein Nachlegen nach dem Gewinn holt zurück, was der Anbieter über die Quote längst abgezogen hat. Ein System bestimmt, wie sich dein Kontostand auf dem Weg bewegt. Ob er am Ende höher oder tiefer steht, liegt nicht am System.
Value Betting, worauf die besten Wettstrategien setzen
Ein Value Bet liegt vor, wenn deine eigene Einschätzung der Wahrscheinlichkeit höher liegt als die, die der Anbieter in seine Quote einpreist. Genau nach solchen Wetten suchen Profis, die auf lange Sicht Gewinn machen wollen. Rechnerisch kommt dabei deine geschätzte Wahrscheinlichkeit mal der Dezimalquote über 1 heraus. Der Erwartungswert je Einsatz ist dann deine Wahrscheinlichkeit mal Quote, minus 1.
Angenommen, du hältst einen Heimsieg für zu 55 Prozent wahrscheinlich, und der Anbieter stellt dafür die Quote 2,00. Dann rechnest du 0,55 mal 2,00, das ergibt 1,10, und nach Abzug des Einsatzes bleibt ein Erwartungswert von plus 10 Prozent. Über viele solcher Wetten hinweg ist das der Vorteil, der die Marge aus dem ersten Abschnitt überwindet. Der Haken steckt in der Voraussetzung: Diese 55 Prozent musst du erst einmal treffsicherer schätzen als der Anbieter, sonst rechnest du dir den Vorteil nur schön.
Wo dieser Vorteil eher zu finden ist, verrät ein altes Muster an den Quoten. Tipper überschätzen Außenseiter und unterschätzen Favoriten, deshalb sind Favoriten im Schnitt fairer bepreist. Wer langfristig auf Favoriten mit niedrigen Quoten setzt, verliert oft nur einen kleinen Teil seines Einsatzes, in der Größenordnung von fünf Prozent, während Wetten auf hohe Außenseiterquoten mit rund 40 Prozent Verlust zu Buche schlagen können. Außenseiter gewinnen durchaus, nur fallen ihre Quoten für die seltenen Treffer zu niedrig aus. Für die Suche nach Value ist der Bereich um die Favoriten damit der ehrlichere Ausgangspunkt, auch wenn die Quoten dort weniger verlockend aussehen.
Welche Wette ist am sichersten, und was steckt hinter Surebets?
Eine dauerhaft sichere Wette gibt es nicht, auch wenn Suchbegriffe wie die Dreiwegewette, die immer gewinnt, das Gegenteil nahelegen. Was du beeinflussen kannst, ist die Höhe der Marge, die du zahlst. Nimmst du für jeden Ausgang die jeweils höchste Quote, die gerade irgendwo verfügbar ist, drückst du die eingebaute Marge nach unten, weil du jede Seite zur bestmöglichen Quote abdeckst.
Treibst du das auf die Spitze, landest du bei der Surebet. Sie entsteht, wenn die aus den Quoten abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge zusammen unter die volle Wahrscheinlichkeit fallen. Dann teilst du deinen Einsatz so auf die Ausgänge auf, dass am Ende ein Plus übrig bleibt, egal wer gewinnt. Bekommst du etwa bei zwei möglichen Ausgängen für beide die Quote 2,05, ergibt der Kehrwert von 2,05 rund 0,4878 je Seite, zusammen 0,9756. Weil diese Summe unter 1 liegt, ergibt ihr Kehrwert 1,025, sodass dir bei richtiger Aufteilung rund 2,5 Prozent Ertrag auf den Gesamteinsatz bleiben, unabhängig vom Ergebnis.
Das Problem ist die Seltenheit. Solche Konstellationen tauchen nur kurz auf, meist wenn zwei Anbieter dasselbe Spiel für einen Moment verschieden einschätzen. Meist verschwinden sie schnell wieder, sobald die Anbieter ihre Marge nachziehen. Verlässlich Geld verdienen lässt sich damit nicht, dafür sind die Lücken zu selten und zu kurzlebig. Für die besten Wettstrategien zählt der Quotenvergleich darum als kleiner Zusatzvorteil, nicht als tragende Methode.
Einzelwette oder Kombiwette, was bringt für eine Strategie mehr?
Für den Erwartungswert liegt die Einzelwette klar vorn, und das lässt sich vorrechnen. Bei einer Kombiwette multiplizieren sich die Quoten der einzelnen Auswahlen, und mit ihnen multipliziert sich die Marge, die in jeder dieser Quoten steckt. Angenommen, jede deiner Auswahlen hat einen Erwartungswert von minus 7,5 Prozent, etwa bei Quote 1,85 auf einen Ausgang mit echter 50-Prozent-Chance. Packst du vier davon in eine Kombiwette, multiplizieren sich die vier Faktoren zu 0,925 hoch 4, also zu 0,7321. Das entspricht einem Erwartungswert von minus 26,79 Prozent, sobald der Einsatz abgezogen ist. In der Einzelwette zahlst du die Marge nur ein einziges Mal, hier die 7,5 Prozent. Ein großer Kombigewinn ist damit möglich, aber im Schnitt zahlst du dafür ein Vielfaches an eingebauter Marge.