Die D’Alembert-Strategie zählt zu den ältesten Setzsystemen, die je auf Sportwetten übertragen wurden — und sie hat genau aus einem Grund überlebt: weil sie auf dem Papier eleganter aussieht, als sie in der echten Bilanz ist. Die Regel ist in einem Satz erzählt, das erste Rechenbeispiel mit Quote 2,00 endet fast immer im Plus, und die Progression wirkt sanfter als bei aggressiveren Verwandten. Trotzdem schließen viele Tipper, die das System ausprobieren, mit roter Kasse ab, obwohl es ja eigentlich nur „Verluste ausgleichen“ soll. Warum das passiert, steckt in zwei Stellen, an denen die Rechnung leise kippt.
Wie funktioniert die D’Alembert-Strategie?
Die Regel ist in zwei Sätzen erzählt. Nach jeder verlorenen Wette erhöhst du deinen Einsatz um eine Einheit, nach jeder gewonnenen senkst du ihn um eine Einheit. Die Einheit ist ein fester Geldbetrag, den du dir vor dem ersten Tipp festlegst — danach wird nicht mehr daran gerüttelt. Eine Einheit ist auch die Untergrenze: tiefer als ein einzelner Schritt geht es nicht, auch nicht nach einer langen Gewinnserie.
Beispiel mit Zahlen. Du hast 200€ auf deinem Wettkonto und wählst 10€ als Einheit. Verlierst du deine erste Wette, geht der nächste Einsatz auf 20€. Verlierst du wieder, sind es 30€. Triffst du beim dritten Versuch, fällt der Einsatz für die nächste Wette zurück auf 20€. Triffst du gleich danach erneut, sind es 10€. Die Schritte sind immer gleich groß, der Anstieg ist sanfter als bei aggressiveren Setzsystemen.
Die Einheit muss klein sein gegenüber deinem Startguthaben — sonst trägt das System keine längere Verlustserie. Als Faustregel gelten 1% bis 5% des Bankguthabens als eine Einheit. Bei 200€ Bank wären das 2€ bis 10€. Wer mit 10€-Einheiten auf 200€ Bank loslegt, sitzt schon bei sechs Verlusten in Folge bei 60€ Einsatz für die nächste Wette und hat dann zusammengerechnet 210€ verloren — also mehr als die ganze Bank.
Die Voraussetzung dahinter ist die Quote um 2,00. Das System rechnet damit, dass du gewinnst und verlierst etwa in einem 50/50-Verhältnis — und dass dein Gewinn aus einer Wette ungefähr deinem Einsatz entspricht. Bei einer 2,00er-Quote stimmt das auf dem Papier. Liegt die Quote bei 1,80, ist der Treffer zu klein, um den vorherigen Verlust zu schlucken. Liegt sie bei 2,40, brauchst du eine deutlich höhere Trefferquote als 50%, damit das System aufgeht — und die hat in der Praxis kaum jemand dauerhaft.
Die D’Alembert-Strategie kommt vom Roulette und ist auf einfache Chancen wie Rot/Schwarz ausgelegt. Beim Sport gibt es keine reinen einfachen Chancen, also ahmst du sie nach, indem du Wetten mit Quoten um 2,00 wählst.
Roulette als Ursprung — das mathematische Prinzip dahinter
Den Namen verdankt das System Jean Baptiste le Rond d’Alembert, einem französischen Mathematiker und Philosophen des 18. Jahrhunderts. Er hat sich mit Wahrscheinlichkeiten beschäftigt und unter anderem darüber nachgedacht, wie sich Münzwürfe und Glücksspielergebnisse über viele Wiederholungen verhalten. Aus diesen Überlegungen wurde später das Setzsystem abgeleitet, das seinen Namen trägt — entwickelt hat er es selbst so nicht.
Geboren wurde die D’Alembert-Strategie am Roulettetisch. Sie wurde für die einfachen Chancen erdacht: Rot oder Schwarz, Gerade oder Ungerade, 1–18 oder 19–36. Diese Wetten zahlen 1 zu 1 und haben — wenn man die grüne Null ignoriert — eine 50/50-Chance. Genau das ist die Welt, für die das System gebaut ist: zwei Ausgänge, gleicher Gewinn wie Einsatz, ungefähr gleiche Wahrscheinlichkeit.
Hinter der Methode steckt eine Annahme, die im Französischen „Equilibre“ heißt, das Gesetz des Ausgleichs. Die Idee: Wenn Rot oft hintereinander gefallen ist, müsste irgendwann Schwarz „dran sein“, damit sich die beiden Farben langfristig ausgleichen. Das ist ein klassischer Spielerirrtum, denn die Kugel hat kein Gedächtnis. Jeder Dreh ist ein eigenes Ereignis, völlig unabhängig vom vorigen. Die D’Alembert-Strategie folgt trotzdem dieser Annahme — sie ist ein Glaubenssatz aus dem 18. Jahrhundert, keine mathematische Garantie.
Mathematisch betrachtet ist das System eine sanftere Variante des Martingalespiels. Beim Martingalespiel verdoppelst du nach jedem Verlust den Einsatz und holst die ganze Verlustserie mit einem einzigen Treffer rein. Die Einsätze wachsen exponentiell. Bei D’Alembert wächst der Einsatz dagegen nur linear, immer um genau eine Einheit. Das macht die Bewegungen kontrollierter, ändert aber nichts daran, dass die Methode dieselbe Familie ist: ein negatives Progressionssystem, das Verluste mit höheren Einsätzen aufholen will.
Im Sport wird das Prinzip auf Wetten mit Quoten um 2,00 übertragen. Ein Über/Unter-Tipp bei einer ausgeglichenen Begegnung, eine Doppelte Chance auf der favorisierten Seite, ein Asian Handicap 0,5 mit Quote um 2,00 — das sind die sportlichen Entsprechungen zu Rot/Schwarz. Vollkommen sauber lässt sich das nicht übertragen, weil ein Buchmacher eine Marge aufschlägt und damit aus 50/50 etwas leicht Schlechteres macht.
Rechenbeispiel: 10 Sportwetten nach der D’Alembert-Strategie
Damit die Zahlen greifbar werden, gehe ich mit dir eine Beispielserie durch. Start: 200€ auf dem Wettkonto, Einheit 10€, Quote bei jeder Tippabgabe glatt 2,00. Die Reihenfolge der Treffer und Verluste ist erfunden, am Ende stehen aber bewusst 5 Treffer und 5 Verluste — also exakt die 50%, mit der das System rechnet.
Die ersten drei Tipps gehen schief. Drei Verluste hintereinander schieben den Einsatz von 10€ auf 40€ hoch. Beim vierten Tipp kommt der erste Treffer, der Einsatz fällt wieder auf 30€. So mäandert die Serie weiter. So sieht die volle Bilanz aus:
| Wette | Einsatz | Ergebnis | Gewinn/Verlust | Kontostand | Nächster Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 10€ | Verlust | -10€ | 190€ | 20€ |
| 2 | 20€ | Verlust | -20€ | 170€ | 30€ |
| 3 | 30€ | Verlust | -30€ | 140€ | 40€ |
| 4 | 40€ | Treffer | +40€ | 180€ | 30€ |
| 5 | 30€ | Treffer | +30€ | 210€ | 20€ |
| 6 | 20€ | Verlust | -20€ | 190€ | 30€ |
| 7 | 30€ | Treffer | +30€ | 220€ | 20€ |
| 8 | 20€ | Verlust | -20€ | 200€ | 30€ |
| 9 | 30€ | Treffer | +30€ | 230€ | 20€ |
| 10 | 20€ | Treffer | +20€ | 250€ | 10€ |
Nach 10 Wetten mit exakt 50% Trefferquote bei Quote 2,00 stehst du 50€ im Plus. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein cleverer Trick — und genau so wird das System seit Jahrzehnten verkauft. Der Grund hinter dem Plus ist mathematisch einfach: deine Treffer fallen im Schnitt auf höhere Einsätze als deine Verluste, weil der Einsatz nach jedem Verlust steigt und nach jedem Treffer sinkt.
Das ist die freundliche Seite der Geschichte. Sie hängt aber an einer Bedingung, die in der Realität nicht hält: dass die Trefferquote auch wirklich 50% ist.
Welche Quoten und welche Wettarten passen für Sportwetten?
Das System ist auf einen schmalen Korridor zugeschnitten. Es funktioniert nur dann näherungsweise, wenn deine Wetten zwei Ausgänge haben, die ungefähr gleich wahrscheinlich sind, und wenn der Preis pro Tipp irgendwo um die 2,00 liegt. Außerhalb dieses Korridors bröckelt die Logik.
Wettarten, die zur D’Alembert-Strategie passen:
- Über/Unter Tore bei einer ausgeglichenen Begegnung. Wenn die Über-2,5-Tore-Wette und die Unter-2,5-Tore-Wette beide um 2,00 stehen, hast du die saubere Zwei-Wege-Situation, für die das System gemacht ist.
- Doppelte Chance bei einer klar verteilten Partie. Wenn 1X (Heimsieg oder Unentschieden) oder X2 (Auswärtssieg oder Unentschieden) um 1,90 bis 2,10 liegt, passt das ins Schema.
- Asian Handicap 0,5 oder 0,75, wenn die Tippmöglichkeiten beider Seiten um 2,00 stehen. Das Asian Handicap nimmt das Unentschieden raus und drückt die Begegnung in eine echte Zwei-Wege-Wahl — also genau die Form, die das System braucht.
Wettarten und Quoten, die nicht passen:
- 1X2 ist die häufigste Fehlannahme bei der D’Alembert-Strategie. Die Drei-Wege-Wette hat keinen Tipp, der bei 50% liegt — auch ein 1,90er-Sieger steht für eine Trefferchance von rund 45% bis 48%. Außerdem schluckst du bei einem Unentschieden den Verlust, ohne dass deine Annahme „der bessere von zwei Ausgängen“ sauber greift.
- Quoten weit über 2,00, etwa ab 2,30 aufwärts. Hier liegt die Trefferwahrscheinlichkeit unter 45%, dein Gewinn pro Treffer ist zwar größer, aber die Serien an Verlusten werden so lang, dass das System aus dem Tritt gerät.
- Quoten unter 1,80. Der Treffer bringt weniger ein als der vorausgegangene Verlust gekostet hat. Damit kann das System eine Verlustreihe nicht mehr ausgleichen, selbst wenn die Trefferquote stimmt — die Mathematik kippt.
Es gibt einen Sonderfall, der oft genannt wird: die knapp favorisierte Wette zwischen 1,85 und 1,95. Da liegt die Trefferchance rein nach Quote bei 51% bis 54%, also über 50%. Auf dem Papier wirkt das attraktiv, weil du häufiger gewinnst als verlierst. Tatsächlich ist die Marge des Buchmachers schon eingepreist, und deine reale Trefferchance liegt unter dem, was die Quote suggeriert. Außerdem ist der Treffer kleiner als der vorausgegangene Verlust, womit die Idee des Ausgleichs schon im kleinen Maßstab nicht aufgeht.
Mein Rat aus der Beobachtung: bleib in dem schmalen Quotenfenster zwischen 1,95 und 2,05. Darunter rechnet sich der Treffer nicht, darüber sind die Verluststrecken zu lang. Wer das System sauber spielen will, hat damit weniger Tipps zur Auswahl als bei freier Wettwahl — und das ist auch der Punkt, an dem viele Tipper anfangen, die Regel zu verbiegen.
Was kostet eine lange Verlustserie?
Solange die Treffer einigermaßen regelmäßig kommen, fühlt sich das System ruhig an. Was du nicht im Bauch hast, bis du es einmal in Zahlen vor dir siehst: was passiert, wenn fünf, sieben oder zehn Tipps in Folge schiefgehen. Genau dann zeigt sich, ob deine Bank groß genug ist oder ob das System dir die Kasse leerräumt.
Der Anstieg ist arithmetisch — nach jedem Verlust kommt eine Einheit dazu. Die Einsätze laufen also nicht durch die Decke wie bei einer Verdopplung, aber sie addieren sich auf. Wenn deine Einheit 10€ beträgt, lässt sich die kumulierte Belastung pro Verlustserie genau ausrechnen.
| Verluste in Folge | Einsatz der letzten Wette | Kumulierter Verlust |
|---|---|---|
| 1 | 10€ | 10€ |
| 3 | 30€ | 60€ |
| 5 | 50€ | 150€ |
| 8 | 80€ | 360€ |
| 10 | 100€ | 550€ |
Bei einer Bank von 200€ sind schon sechs Niederlagen in Folge das Ende: nach der sechsten Wette stehen 210€ im Minus, die Bank ist weg, und der nächste Einsatz von 70€ ist gar nicht mehr möglich. Sechs Verluste in Folge sind bei Quoten um 2,00 statistisch keine Sensation — bei einer Trefferquote von 48% liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Sechserserie bei knapp 2%. Heißt: wer 50 Mal nach D’Alembert tippt, läuft mit dieser Bank realistisch in eine Pleite.
Größere Bank, gleiche Einheit — das ändert die Lage spürbar. Wer mit 30 Einheiten startet, also 300€ Bank bei 10€-Einheit, übersteht sieben Verluste in Folge (kumuliert 280€). Bei 50 Einheiten Bank (500€) reichen die Reserven für neun Verluste in Folge (kumuliert 450€). Die Faustregel, mit der ich rechne: lieber 30 bis 50 Einheiten in der Hinterhand als zu groß ansetzen und früh ausscheiden.
Wer die Einheit zu groß wählt, erlebt das System von seiner unangenehmen Seite. Verdopplung der Einheit von 10€ auf 20€ bedeutet bei einer Zehnerserie 1.100€ kumulierten Verlust statt 550€. Eine 200€-Bank ist dann schon nach vier Niederlagen Geschichte. Genau hier liegt der häufigste Fehler beim Aufsetzen der Sportwetten Strategie: jemand mit 200€ Bank wählt 20€ oder gar 50€ als Einheit, weil er sich höhere Einzelgewinne wünscht — und ist nach der ersten ungünstigen Serie raus.
Wo die D’Alembert-Strategie an ihre Grenzen stößt
Das ganze System steht und fällt mit einer Annahme: dass deine 2,00er-Wette wirklich in 50% der Fälle gewinnt. Auf dem Papier wirkt das stimmig, weil 1 geteilt durch 2,00 genau 0,5 ergibt. In der Realität ist die Trefferchance kleiner — und der Grund heißt Marge des Buchmachers.
Ein Anbieter verdient nicht damit, dass er faire Quoten anbietet, sondern dass er auf beiden Seiten einer Wette einen kleinen Aufschlag einbaut. Im deutschsprachigen Wettangebot liegt die Marge meistens irgendwo zwischen 4% und 6%. Was das mathematisch heißt: wenn dir der Buchmacher eine 2,00er-Quote auf die eine Seite anbietet, steht die andere Seite nicht ebenfalls bei 2,00, sondern eher bei 1,82. Beide implizierten Wahrscheinlichkeiten zusammengezählt ergeben rund 105% — das fehlende Prozent geht in die Tasche des Anbieters.
Heißt für deine Trefferchance: Bei einer Marge von 5% liegt die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, dass deine 2,00er-Wette eintritt, nicht bei 50%, sondern bei rund 47,5%. Bei 4% Marge sind es etwa 48%, bei 6% Marge knapp 47%. Klingt nach wenig, ist aber der entscheidende Punkt. Der Erwartungswert pro Wette wird damit negativ: bei 10€ Einsatz, Quote 2,00 und 47,5% Trefferchance liegt der Erwartungswert bei -0,50€ pro Tipp. Pro 100 Wetten reden wir je nach durchschnittlicher Einsatzhöhe schnell von dreistelligen Verlusten — und das völlig unabhängig davon, ob du nach D’Alembert tippst oder mit festem Einsatz.
Die Progression hat darauf null Einfluss. Sie verschiebt nur, wann du wie viel setzt, sie ändert nicht die Wahrscheinlichkeit, dass deine nächste Wette gewinnt. Höhere Einsätze nach Verlusten schieben den erwarteten Verlust pro Stunde nicht runter, sie schieben ihn sogar leicht hoch, weil du in Verlustphasen mehr Geld auf den Tisch legst als in Gewinnphasen.
Dann gibt es das Gesetz des Ausgleichs, auf das sich das System beruft. Mathematisch korrekt ist daran nur ein Teilaspekt: bei einer reinen 50/50-Welt kehrt eine Serie irgendwann zum Ausgleich zurück. Was selten dazu gesagt wird: der Erwartungswert der Wartezeit bis dahin ist unendlich. Konkret kann es zehn Wetten dauern, oder zweihundert, oder zweitausend — und in der Zwischenzeit kann die Verluststrecke so lang werden, dass deine Bank längst weg ist. Mit der Marge des Buchmachers verschiebt sich das Gleichgewicht zusätzlich zugunsten des Anbieters; ein echter Ausgleich tritt im Mittel gar nicht mehr ein.
Kein Setzsystem schlägt eine negative Erwartung, und die D’Alembert-Strategie ist da keine Ausnahme. Sie hält den Verlauf deiner Bank glatter, solange Treffer und Verluste in vernünftiger Verteilung kommen. Sie wird brutal, wenn eine lange Verlustreihe in eine zu kleine Bank reinfährt. Was sie nicht macht: dich auf Dauer aus der negativen Erwartung rausholen. Wer das anders erzählt, verkauft eine Illusion.
Vor- und Nachteile gegenübergestellt
Mit dem Wissen aus den Rechnungen lässt sich die Bilanz sauber ziehen. Die D’Alembert-Strategie ist nicht durchgehend Mist und nicht durchgehend Gold — sie hat einen Bereich, in dem sie ihre Stärken ausspielt, und mehrere Schwächen, die sich nicht wegrechnen lassen. So sieht das gegenübergestellt aus:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Regel in einem Satz erklärt — Einsatz nach Verlust hoch, nach Gewinn runter, immer um eine Einheit | Marge des Buchmachers bleibt unverändert hoch — Erwartungswert bleibt negativ |
| Sanftere Progression als beim Verdoppeln — Einsätze wachsen linear, nicht exponentiell | Lange Verlustserien fressen die Bank trotzdem, wenn die Einheit zu groß gewählt ist |
| Klares Bankroll-Management durch feste Einheit — 1% bis 5% des Guthabens als Standard | Nur in einem schmalen Quotenfenster zwischen 1,95 und 2,05 sauber spielbar |
| Bewusste Steuerung des Einsatzes über eine Serie — du tippst nicht bauchgesteuert | Bei Quoten unter 1,80 schluckt der nächste Treffer den vorigen Verlust nicht — Mathematik kippt |
| Glatterer Bankverlauf bei ausgeglichenen Sequenzen, weil Treffer auf höhere Einsätze fallen | Bei Quoten über 2,20 lässt die Trefferquote nach, Verluststrecken werden zu lang |
| Funktioniert auch ohne Datenanalyse — wer die Wettart kennt, kann starten | Kein Vorteil gegenüber einem festen Einsatz pro Wette |
Die Stärken liegen alle im Vorgehen — Regelklarheit, Bewegungssteuerung, einfaches Bankroll-Management. Die Schwächen liegen alle im Ertrag — die Wahrscheinlichkeit, dass deine Wette eintritt, bleibt unter 50%, der Erwartungswert bleibt negativ, das schmale Fenster lässt wenig Spielraum. Wer das System einsetzt, kauft sich Struktur, keine Rendite.
Für welchen Tipper passt die D’Alembert-Strategie?
Die Antwort hängt weniger an deiner Begeisterung für Statistik als an deinem Verhältnis zum Wetten selbst. Die D’Alembert-Strategie ist ein Setzsystem, das eine Form vorgibt. Du tippst nicht mehr, weil dir eine Quote ins Auge springt, sondern weil dein System sagt, jetzt sind 30€ dran. Das ist für manche befreiend und für andere genau das Gegenteil von dem, was sie an Sportwetten reizt.
Wo das System passt:
- Du hast eine feste Bank, die mindestens 30 bis 50 Einheiten umfasst. Bei einer 10€-Einheit sind das 300€ bis 500€.
- Du setzt fast ausschließlich auf Wetten im Quotenfenster zwischen 1,95 und 2,05. Wenn dir Über/Unter oder Doppelte Chance auf ausgeglichene Begegnungen liegen, hast du den passenden Spielraum.
- Du willst eine Regel haben, an die du dich halten kannst, und du nimmst in Kauf, dass die Strategie keinen rechnerischen Vorteil bringt. Spielform ist okay, Profitversprechen erwartest du keines.
- Du hast eine harte Verlustgrenze pro Tag oder Woche, an die du dich auch wirklich hältst — etwa 10% deiner Bank, dann wird der Computer zugemacht.
Wo das System nicht passt:
- Du suchst Value-Wetten und vergleichst Quoten zwischen mehreren Anbietern. Wer Value erkennt, will den Einsatz an die Erwartung anpassen, nicht an die Vorgeschichte. Das passt nicht zu einer festen Progression.
- Du tippst auf Außenseiter mit Quoten ab 3,00 oder auf Kombiwetten. Die ganze Logik des Systems hängt an Quoten um 2,00.
- Du hast eine kleine Bank zwischen 50€ und 150€ und willst trotzdem mit 10€-Einheiten loslegen. Bei dieser Größe reicht eine ungünstige Sechserserie, und die Kasse ist leer.
- Du hast Schwierigkeiten, eine Verlustgrenze einzuhalten, und neigst dazu, nach drei Verlusten nochmal „rauszuspielen“. Das System verstärkt diesen Reflex, weil der nächste Einsatz immer höher liegt als der vorige Verlust.
Meine klare Empfehlung, wenn du es probieren willst: leg vor dem ersten Tipp deine Verlustgrenze fest und schreib sie irgendwo hin. 10% der Bank pro Tag, 20% pro Woche. Wenn die erreicht ist, wird das System für diesen Zeitraum geschlossen — keine Diskussion, keine Ausnahme. Genau dieser Schritt fehlt bei den meisten, die das System ausprobieren, und genau deswegen geht die Bank irgendwann in null.
Eines noch zum Aufräumen: die D’Alembert-Strategie macht aus Sportwetten kein berechenbares Geschäft. Sie ist eine Spielform — eine Methode, mit der du deine Einsätze über eine Tippreihe steuerst, ohne ständig nachzudenken. Wer dir etwas anderes verspricht, redet von einer Wirklichkeit, die mathematisch nicht existiert.
Häufige Fragen zur D’Alembert-Strategie
Als Faustregel rechne ich mit 20 bis 30 Einheiten als Untergrenze, 30 bis 50 sind sicherer. Bei einer 10€-Einheit reden wir also über 200€ bis 500€ Startguthaben. Je kleiner die Einheit gegenüber der Bank, desto länger überlebt das System eine Verlustserie — und desto seltener kommst du in die Lage, eine Tippreihe abbrechen zu müssen, weil das Geld weg ist.
Nein. Bei einer Kombiwette multiplizieren sich die einzelnen Trefferwahrscheinlichkeiten — zwei 50/50-Tipps zusammen kommen rechnerisch auf 25%, drei auf 12,5%. Damit bist du weit weg von dem 50/50-Fenster, für das das System gebaut ist. Die D’Alembert-Strategie ist auf Einzelwetten mit ungefähr ausgeglichenen Ausgängen ausgelegt.
Nein. Das System verschiebt nur die Einsatzhöhe über eine Tippreihe, es ändert nicht die Wahrscheinlichkeit, dass deine Wette eintritt. Solange die Marge des Buchmachers in der Quote drinsteckt — und sie steckt immer drin —, bleibt der Erwartungswert pro Tipp negativ. Ein Setzsystem holt dich aus einer negativen Erwartung nicht raus, egal wie elegant die Progression aussieht.
Die Contre-D’Alembert dreht die Regel um. Nach einem Gewinn erhöhst du den Einsatz um eine Einheit, nach einem Verlust senkst du ihn um eine. Die Idee dahinter: Gewinnserien stärker mitnehmen, Verlustserien klein halten. Klingt logisch, hat aber das umgekehrte Risiko. Wenn du nach einer Gewinnserie groß setzt und dann verlierst, bricht der ganze Aufbau auf einen Schlag zusammen. Die Marge bleibt dieselbe, der Erwartungswert ändert sich nicht.
In einer reinen 50/50-Welt — gedankliches Modell, kein realer Buchmacher — kehrt eine Verlust- oder Gewinnserie irgendwann zum Ausgleich zurück. Das ist der eine wahre Kern. Der zweite Kern, den die meisten Erzählungen über das System weglassen: der Erwartungswert der Wartezeit bis zum Ausgleich ist unendlich. Es kann zehn Wetten dauern, es kann zweitausend dauern. Mit der Marge des Buchmachers gilt die Annahme des Ausgleichs gar nicht mehr — die Wette ist von Anfang an leicht zu deinem Nachteil aufgesetzt.