Die D’Alembert-Strategie legt fest, wie viel nach dem letzten Ergebnis als Nächstes auf den Schein kommt. Nach einer Niederlage geht der Einsatz eine Einheit hoch, nach einem Treffer eine Einheit runter, und tiefer als dein Grundeinsatz wird es nie. Notieren musst du dafür nichts, der nächste Betrag ergibt sich immer aus dem letzten Ergebnis. Damit gehört sie zu den zurückhaltendsten Einsatzregeln überhaupt, denn zwei Niederlagen hintereinander kosten dich gerade zwei Einheiten mehr auf der nächsten Wette. Ein Gewinnsystem wird daraus über eine ganze Saison trotzdem nicht.
Wie die D’Alembert-Strategie den Einsatz staffelt
Nach unten stoppt die Reihe bei deinem Grundeinsatz, auch wenn du fünfmal hintereinander triffst, und erst diese Untergrenze macht aus der Regel ein System mit einem Abschluss. Die Schrittweite selbst bleibt dabei auf jeder Stufe gleich, ob du bei zwei Einheiten stehst oder bei zwölf.
Der Abschluss ist der eigentliche Kniff. Sobald du gleich viele Wetten gewonnen wie verloren hast und der Einsatz wieder bei einer Einheit steht, ist die Serie durch. Was dann auf dem Konto liegt, ist zu einer Quote von 2,00 keine Zufallszahl, sondern ein fester Ertrag von einer Einheit für je zwei gespielte Wetten.
Nimm eine Serie über sechs Wetten, angenommen zu 2,00. Drei Niederlagen zu 1, 2 und 3 Einheiten kosten dich 6 Einheiten. Die drei Treffer danach laufen über 4, 3 und 2 Einheiten und bringen 9 Einheiten Reingewinn ein. Bleiben plus 3 Einheiten, und der nächste Einsatz steht wieder bei einer. Verblüffend daran ist, dass die Reihenfolge nichts ändert. Solange dich keine Gewinnsträhne vorher an die Untergrenze drückt, ergibt sich jeder Einsatz allein daraus, wie viele Niederlagen du bis dahin mehr kassiert hast als Treffer. Zwei Verläufe mit gleich vielen Gewinnen und Verlusten durchlaufen deshalb dieselben Stufen, nur in anderer Abfolge, und am Ende steht dieselbe Summe.
Welche Quote braucht die D’Alembert-Strategie bei Sportwetten?
Angenommen, du hast gerade vier Einheiten verloren und setzt jetzt fünf. Trifft diese Wette zu 2,00, kommen fünf Einheiten Reingewinn herein, der Verlust davor ist gedeckt und eine Einheit bleibt übrig. Zu 1,80 bringt derselbe Einsatz nur vier Einheiten, gerade genug für den Ausgleich. Eine Stufe höher kippt es dann. Nach fünf verlorenen Einheiten setzt du sechs, zu 1,80 macht das 4,80 Reingewinn, und damit fehlen dir 0,20 Einheiten auf den Verlust davor.
Der Grund steckt in der Staffelung selbst. Dein neuer Einsatz liegt immer nur eine Einheit über dem verlorenen, prozentual wird der Aufschlag also von Stufe zu Stufe kleiner. Von 1 auf 2 verdoppelst du noch, von 9 auf 10 legst du nur noch ein Neuntel drauf. Der Reingewinn muss diesen schrumpfenden Aufschlag ausgleichen, und deshalb rückt die nötige Höhe mit jeder Stufe näher an 2,00 heran.
| Erreichte Einsatzstufe | Mindestquote, damit ein Treffer den Verlust davor deckt |
|---|---|
| 1 Einheit | 1,50 |
| 2 Einheiten | 1,67 |
| 4 Einheiten | 1,80 |
| 9 Einheiten | 1,90 |
| 19 Einheiten | 1,95 |
| 49 Einheiten | 1,98 |
Umgekehrt gibt dir dieselbe Reihe eine Obergrenze. Tippst du dauerhaft zu 1,90, reicht ein Treffer nur bis zur neunten Einsatzstufe, danach holt dich ein einzelner Gewinn nicht mehr heraus. Zu 1,95 reicht es bis Stufe 19, zu 1,85 ist bei fünf Einheiten Schluss, zu 1,80 schon bei vier und zu 1,75 bei drei. Wer im Bereich 1,70 bis 1,80 unterwegs ist, kommt also schon nach einer kurzen Pechsträhne an den Punkt, an dem ein einzelner Treffer die Sache nicht mehr richtet, während zu 1,95 eine Serie durchhält, die ein normaler Tipper kaum je erlebt.
Wie oft musst du treffen, damit die Rechnung überhaupt aufgeht?
Neben der Deckung von einer Wette zur nächsten steht eine zweite Bedingung, die ganz ohne Staffelung gilt. Zu 2,00 musst du 50% deiner Wetten treffen, um bei null herauszukommen, zu 1,90 sind es 52,63% und zu 1,80 ganze 55,56%. Diese Schwelle gilt für jeden einzelnen Einsatz, den du platzierst, und keine Einsatzregel verschiebt sie um einen Punkt. Wer sie nicht erreicht, tippt mit steigenden Einsätzen also gegen dieselbe Wand wie mit gleichbleibenden.
Was eine Verlustserie von zehn Wetten kostet
Zehn verlorene Wetten am Stück kosten dich mit der D’Alembert-Strategie 55 Einheiten, denn die Einsätze laufen dabei über 1, 2, 3 und so weiter bis 10. Mit einer Einheit von 10€ sind das 550€, und die elfte Wette steht dann bei 110€. Ob dir das über deine Wettdauer überhaupt passiert, entscheidet die Länge der Strecke. Bei angenommenen 50% Trefferquote taucht eine Zehnerserie innerhalb von 100 Wetten nur in 4,41% der Durchläufe auf, innerhalb von 500 Wetten aber schon in 21,45%. Die Achterserie mit ihren 36 Einheiten Verlust erwischt dich deutlich häufiger, in 17,02% beziehungsweise 62,51% der Fälle. Wer besser tippt, drückt beide Werte spürbar, aber nicht aus der Welt: Mit einer Trefferquote von 52,63% sinkt die Zehnerserie über 500 Wetten auf 13,73% und die Achterserie auf 48,64%.
| Niederlagen in Folge | Verlust insgesamt | Nächster Einsatz |
|---|---|---|
| 5 | 15 Einheiten | 6 Einheiten |
| 8 | 36 Einheiten | 9 Einheiten |
| 10 | 55 Einheiten | 11 Einheiten |
| 15 | 120 Einheiten | 16 Einheiten |
Die Verluste wachsen dabei deutlich schneller als die Serie selbst. Von fünf auf zehn Niederlagen wird der Verlust fast viermal so groß, und wer bei fünfzehn ankommt, hat 120 Einheiten abgegeben, legt aber trotzdem nur 16 auf die nächste Wette. Genau diese Schere zwischen dem, was schon weg ist, und dem, was eine einzelne Wette zurückholen kann, macht den Rückweg aus einer Verlustserie mit der D’Alembert-Strategie so lang.
Wie viele Treffer brauchst du, um den Rückstand wieder einzuholen?
Nach den zehn Niederlagen stehst du bei minus 55 Einheiten und arbeitest dich mit absteigenden Einsätzen zurück, also 11, dann 10, dann 9. Zu 2,00 reichen dafür sieben Treffer in Folge. Zu 1,95 brauchst du acht, zu 1,90 neun und zu 1,85 zehn. Zu 1,80 sind es dann gleich vierzehn, und dieser Sprung ist kein Rechenfehler. Weil der Einsatz mit jedem Gewinn kleiner wird, bringt jeder weitere Treffer weniger ein als der davor. Wie zäh das am Ende wird, zeigt der Saldo im Moment des Ausgleichs. Zu 2,00 stehst du nach dem siebten Treffer bei plus 1,00 Einheit, zu 1,80 nach dem vierzehnten bei mageren plus 0,20.
Nach einer kürzeren Strähne bleibt der Rückweg überschaubar. Fünf Niederlagen kosten dich 15 Einheiten, und die holst du zu 2,00 mit drei Treffern zurück, zu 1,95, 1,90 und 1,85 jeweils mit vier und zu 1,80 mit fünf. Doppelt so viele Niederlagen bedeuten also mehr als doppelt so viele Treffer auf dem Rückweg, zu 1,80 sogar fast dreimal so viele.
Wie hoch der Einsatz im Lauf der Progression steigt
Eine einzelne Pechsträhne ist das eine, eine ganze Saison das andere. Über eine Strecke von 100 Wetten klettert der Einsatz bei einer Trefferquote von 50% in 67,93% aller Fälle mindestens einmal auf das Zehnfache deiner Einheit, aus 10€ werden also 100€ für eine einzige Partie. Über 500 Wetten passiert das in 99,87% der Fälle, praktisch also immer.
Das Zwanzigfache bleibt auf der kurzen Strecke mit 10,29% noch selten, über 500 Wetten wird es mit 74,94% zum Normalfall. Damit erreichst du im Lauf einer Saison regelmäßig Stufen, die eine Quote von 1,95 verlangen, wenn ein Treffer den Verlust davor noch tragen soll. Deine 1,90-Wetten reichen dort nicht mehr hin.
Besseres Tippen dämpft diesen Anstieg, es dreht ihn nicht um. Triffst du in 52,63% der Fälle und liegst damit genau auf der Schwelle, die 1,90 verlangt, sinkt die Wahrscheinlichkeit für die zehnfache Einheit über 100 Wetten von 67,93% auf 52,22%, über 500 Wetten von 99,87% auf 98,66%. Beim Zwanzigfachen fällt der Unterschied größer aus, über 100 Wetten sinkt der Wert von 10,29% auf 4,12% und über 500 Wetten von 74,94% auf 41,98%. Auch das sind noch gut vier von zehn Durchläufen, in denen du bei einem Vielfachen deines Grundeinsatzes landest, ohne es je so entschieden zu haben.
Verdienst du mit der D’Alembert-Strategie mehr als mit gleichbleibendem Einsatz?
Zu 1,90 und mit einer Trefferquote von 50% bleiben dir von jedem eingesetzten Euro im Schnitt 95 Cent. Diese 5% Abzug treffen den kleinsten Einsatz genauso wie den auf der elften Stufe, und keine Staffelung rührt daran. Was sie verändert, ist die Summe, auf die sich der Abzug bezieht, und die verändert sie gewaltig.
Mit einem gleichbleibenden Einsatz von einer Einheit setzt du über 100 Wetten genau 100 Einheiten um. Mit der Staffelung sind es unter denselben Annahmen im Schnitt 581,9 Einheiten, also fast das Sechsfache, und aus 5 Einheiten erwartetem Verlust werden 29,10. Über 500 Wetten läuft der Umsatz auf 6.197,1 Einheiten statt 500 hinaus, was rund 310 Einheiten erwarteten Verlust bedeutet statt 25. Bei 10€ Grundeinsatz sind das 3.100€ gegenüber 250€, ohne dass du auch nur eine Wette schlechter eingeschätzt hättest.
Genau hier liegt der Denkfehler, dem die D’Alembert-Strategie ihren guten Ruf verdankt. Eine Serie, die nahe 2,00 sauber schließt, wirft ihren festen kleinen Ertrag ab, und in den ersten Wochen sieht der Kontoauszug entsprechend freundlich aus. Bezahlt werden diese vielen kleinen Abschlüsse aus den wenigen Durchgängen, in denen die Serie nicht rechtzeitig schließt, und weil in jedem einzelnen Einsatz die 5% stecken, geht die Sache über die Distanz nicht auf. Der Zusammenhang gilt dabei für jede denkbare Einsatzverteilung, denn am Ende multiplizierst du immer den gesamten Umsatz mit dem, was von einem eingesetzten Euro übrig bleibt. Ist dieser Rest negativ, macht keine Reihenfolge und keine Staffelung ein Plus daraus, sie verändert nur die Höhe des Minus.
Was ändert sich, wenn du besser tippst als der Durchschnitt?
Erst oberhalb der Trefferquote, die deine Quoten verlangen, dreht sich das Vorzeichen, und das entscheidet sich beim Einschätzen der Partie, nicht beim Festlegen des Einsatzes. Wer die 52,63% zu 1,90 genau trifft, landet rechnerisch bei null, kommt aber an der Umsatzwirkung trotzdem nicht vorbei. Über 100 Wetten setzt er im Schnitt 465,9 Einheiten um statt 100, über 500 Wetten 3.696,4 statt 500. Im Ergebnis heißt das: gleicher erwarteter Ausgang, aber jede Abweichung nach oben oder unten fällt um ein Vielfaches heftiger aus. Wer mit einer Staffelung im Plus landet, ohne die Schwelle seiner Quoten dauerhaft zu schlagen, hat schlicht Glück gehabt.
Für wen die D’Alembert-Strategie taugt und für wen nicht
Die D’Alembert-Strategie rechnet mit zwei Dingen, die es so nicht gibt, nämlich einem Kapital ohne Grenze und einem Gegenüber, das jeden Einsatz annimmt, egal wie hoch er ausfällt. Irgendwann stößt du auf eine Stufe, auf der eines von beidem nicht mehr mitspielt, und weil der Serienertrag erst mit dem Ausgleich entsteht, bleibt an dieser Stelle nur der Rückstand übrig. Wie hoch diese Stufe für dich liegt, legst du mit der Größe deiner Einheit fest, und zwar bevor die erste Wette läuft. Setzt du sie auf 1€, stehen auf der zwanzigsten Stufe 20€ auf dem Schein und 190€ Verlust dahinter. Bei 25€ Einheit sind es an derselben Stelle 500€ für eine einzige Wette und 4.750€, die schon weg sind.
Die zweite Bedingung ist das Quotenniveau, auf dem du unterwegs bist. Unterhalb von 1,90 endet die Deckung schon nach wenigen Stufen, und damit fällt die Staffelung für Favoritentipps und für alles aus, was du mit niedrigen Einzelquoten spielst.
Bleibt ein schmaler Anwendungsfall für die D’Alembert-Strategie. Wenn du ohnehin fast ausschließlich zwischen 1,90 und 2,00 tippst, deine Einheit so klein ansetzt, dass auch das Zwanzigfache dich kaltlässt, und die Staffelung über kurze Abschnitte statt über eine ganze Saison laufen lässt, dann bekommst du das, was sie tatsächlich leistet, nämlich eine Reihe kleiner, gleich großer Abschlüsse statt eines wilden Auf und Ab. Als Ersatz für eine gute Einschätzung der Partie taugt sie dagegen nicht.
Häufige Fragen zur D’Alembert-Strategie
Ja, und zwar so, dass der feste Ertrag danach gar nicht mehr zustande kommt. Er setzt voraus, dass die Einheit über die gesamte Serie dieselbe bleibt. Angenommen, du spielst zu 2,00 mit 10€ und die Folge lautet Verlust, Verlust, Gewinn, Gewinn. Am Ende stehen 20€ auf dem Konto, also zwei Einheiten für vier Wetten, und der nächste Einsatz liegt wieder bei einer Einheit. Hebst du die Einheit ab der dritten Wette auf 20€, bringt dieselbe Ergebnisfolge 70€ ein. Das ist weder der Ertrag der alten Einheit von 20€ noch der der neuen von 40€, sondern ein Wert, der zu keiner von beiden passt.
Alles Mögliche, nur nicht der Ertrag, den die Regel in Aussicht stellt. Was übrig bleibt, hängt allein davon ab, an welcher Stelle du aussteigst. Zu 2,00 und mit 10€ Einheit steht nach Verlust, Verlust, Gewinn ein Saldo von 0€, der nächste Einsatz aber schon bei zwei Einheiten. Dasselbe Bild zeigt sich nach Verlust, Gewinn, Verlust, wieder 0€ und wieder zwei Einheiten als nächster Einsatz. Und nach Verlust, Verlust, Verlust, Gewinn fehlen dir sogar 20€, obwohl du gerade einen Treffer gelandet hast, während dich die Reihe bereits auf drei Einheiten hochgesetzt hat. Steigst du an einer dieser Stellen aus, nimmst du die offene Progression in die nächste Wette mit, statt sie abzuschließen.
Das lässt sich nicht sagen. Sind die Chancen ausgeglichen, kommt der Ausgleich von Gewinnen und Verlusten irgendwann sicher, einen Zeitpunkt dafür gibt es aber nicht, nicht einmal als Durchschnittswert. Was dazwischen passiert, ist nach oben offen, denn der Rückstand kann beliebig groß werden, bevor er sich schließt.